Der achte Tag: Fest der Darstellung des Herrn
Als Nachtrag
zu gestern: Diese übersichtliche Darstellung der Entwicklung (Abspaltung,
Wiedervereinigung etc.) der Thomas-Christen in Indien haben wir auf Wikipedia
gefunden. Sie ist vielleicht eine noch bessere Hilfe bei der „Übersetzung“
unserer Texte.
02.02.2019:
Zum heutigen Fest der Darstellung des Herrn feierten wir zuerst heilige Messe
in der Kirche Kumarakom Navanazareth,
Prof. Prokschi zelebrierte. Diesmal wurde in der syro-malabarischen Kirche ausnahmsweise im römisch-katholischen Ritus gefeiert.
Die zweite
Kirche war eine malankarisch-orthodoxe, Kottayam Cheriapally Orthodox Church.
Unsere
Weiterfahrt – und auch die Busfahrten bis in den Nachmittag hinein – wurden
beeinträchtigt durch die Ankunft des ehrwürdigen Vizepräsidenten und Landung des
Hubschraubers auf dem Fußballplatz. Dabei und sodann bei seiner Weiterfahrt
waren die Straßen großräumig abgesperrt, sodass wir immer wieder Zwangspausen
einlegen mussten, was zur Streichung einiger Programmpunkte (Kirchenbesuche)
führte. Die Mehrzahl von uns war darüber nicht unglücklich, da uns die Kirchen, die
Riten und nicht zuletzt die Bischöfe und sonstige Oberen langsam aber sicher
durcheinander kamen.
Dann Empfang
(und anschließendes Mittagessen) im „Hauptquartier“ der Malankara Orthodoxen
Syrischen Kirche durch Seine Heiligkeit Katholikos Baselius Marthoma Paulos II.
Er erzählte
zwei Begebenheiten:
2013 war er
in Wien bei Kardinal Schönborn zum Abendessen geladen. Der Herr Kardinal
erzählte dem Katholikos von seinem Weinkeller und den guten „Tröpferln“ die er
dort hat und zum Abendessen kredenzen werde, worauf der Katholikos unseren
Kardinal mit der Bemerkung enttäuschen musste, er trinke keinen Wein.
Als er 2014
in Rom war, fragte ihn Papst Franziskus am letzten Tag seines Besuches, wann er abreise.
„Um 5.30 Uhr morgen früh“, war die Antwort des Katholikos. Am nächsten Tag stand der
Papst um 5.30 Uhr an der Rezeption, verabschiedete ihn, begleitete ihn zum Auto und
hielt ihm sogar die Wagentüre auf. So leutselig sei unser Papst.
Nach dem
ausgezeichneten Essen Abstecher in die (Privat-) Kapelle des Katholikos, in
deren Vorraum die Särge – oder besser Sarkopharge – der verstorbenen
Oberhäupter aufgestellt waren, die darin offensichtlich sitzend beigesetzt
wurden.
St. Marys
Jacobite Syrian Kathedrale. In dieser Kirche wird – eingearbeitet in eine
Monstranz – als Reliquie ein Stück aus dem Gürtel Marias aufbewahrt. Die Kirche wurde
ursprünglich zwischen 1685 und 1690 von dem Kaufmann Padathu Mappila erbaut und
war bis zu einem Brand 1952 in seinem und dann seiner Familie Privatbesitz. Der
Neubau wurde 1956 fertiggestellt und heute hat der Nachfahre des Kaufmannes nur das
Recht, an Sonn-, Fest- und Feiertagen in der Nähe der Opferbox, gleichsam als
Wächter, zu stehen. Die Gläubigen knien sich vor der Reliquie nieder und küssen nach dem Gebet die daran befestigte Stola.
Als wir
weiterfuhren, zeigte uns aus dem vor uns fahrenden Lkw plötzlich jemand das
nackte Hinterteil. Rasch haben wir es fotografiert, können die Fotos aber
leider erst morgen zeigen, weil vergessen wurde, uns den Stick mit diesen Fotos
zum Kopieren zu überlassen.
Vorletzte
Kirche (für heute): die Syro-Malabarische katholische Kirche St. Augustin in
Ramapuran. Sie ist die größte Kirche in Kerala und fasst bis zu 5000 Gläubige. Nach einer kompletten Renovierung wurde sie im
Jänner 2019, also vor wenigen Tagen, neu eingeweiht.
In der
letzten Kirche, St. Alphonsa Bharanganganam, Syro-Malabar, befindet sich das Grab
der hl. Alphonsa, gest. 1946. Sie wurde von Papst Benedikt 2008
heiliggesprochen und war damit die erste
Heilige aus Kerala. 1986 war Papst Johannes Paul II hier, um ihr Grab zu
besuchen.
Wir haben erlebt, dass der Bundesstaat Kerala nahezu vollständig alkoholfrei ist. Auf der Fahrt zu unserem neuen Hotel in Thekkady
kamen wir an einem der seltenen „fully licensed stores“ vorbei, also einem Geschäft, das eine
Lizenz für den Handel mit alkoholischen Getränken hat.
Ein
Einkaufsstop war unvermeidlich.
Unser Hotel
für diese (eine) Nacht ist das Abad Green Forest, wieder ein Hotel der
Abad-Gruppe nach Abad Harmonia in Kovalam und Abad Whispering Lake Resort bis
heute früh in Kumarakom. Die Zimmer in dieser Hotelgruppe sind in einer weitläufigen Grünanlage verteilt und überdurchschnittlich groß. Auch das Essen ist in dieser
Gruppe ganz ok.
Zum Schluss
die Frage, warum glaubt Ihr, geneigte Leser dieses Blogs, warum wir so viele
Kirchen darstellen, erläutern und Euch die Fotos zeigen? Antwort: Weil
geteiltes Leid halbes Leid ist.
So long für
heute, morgen geht es weiter nach Cochin, Strecke 160 km, Fahrzeit mehr als 4
Stunden. Euer Bloggerteam.
Es fällt euch schwer, den Überblick über die christlichen Kirchen in Indien zu behalten? Mit Alkohol wird es sicherlich nicht leichter ;-)
AntwortenLöschenViel Spaß bei eurer Weiterfahrt.
Lg Gerhard Labschütz